GLOBALE WELT
Der Weg zu einer Welt der Völker
 
 
 
Die Identität der Völker geht zunehmend geschichtslos in der Bevölkerung von Staaten auf, die sich als Zweckverbände demokratisch unterschiedsloser Bürger verstehen. In der Masse des Staatsvolkes sehen sich scheinbar mündige Bürger einer fortschreitenden Gleichmacherei ohne Aufbau innerer Bindungen ausgesetzt. Der pluralistische Schutz ihrer individuellen Menschenrechte geht einher mit dem Verdrängen ihrer traditionellen Bindungen an Glaube, Familie und Volk. Hilflos und vereinzelt sind sie dem freien Spiel der Kräfte einer unstrukturierten globalen Welt ausgesetzt.

Der Einzelne interessiert mit Geburt, Leben und Tod nur noch in der Statistik. Es zählt nicht mehr, was er glaubt, denkt, tut oder vermag, allein wichtig ist, über welches finanzielles Vermögen er verfügt. Dabei wird immer unbedeutender, wie und womit er es gewonnen hat. Die Kehrseite persönlicher Freiheit ist Reduzierung des Menschen auf seinen Kontenstand geworden. Erst über ihn wird er als Investor, Konsument, Steuer- oder Beitragszahler im unendlichen Kreislauf des Geldes bedeutend. Die Ewigkeit ist monetär geworden. Gott wird durch Mammon ersetzt. Der Kreislauf des Geldes droht den Kreislauf des Lebens zu zerstören. Unter dem Schirm nuklearer Abschreckung konzentriert sich der materielle Reichtum der Welt immer mehr in wohlhabenden, geburtenschwachen Gesellschaften.

Die resultierenden staatlichen Gebilde können nur schlecht von einer bewußt vereinzelten, entwurzelten und im Massenkonsum entmündigten Bevölkerung kontrolliert werden. Sie wachsen in unregierbare Dimensionen, die öffentlichem und privatem Mißbrauch Tür und Tor öffnen. Das ist zutiefst menschenverachtend, undemokratisch und zukunftsfeindlich. Schlimmer noch, es steht in frontalem Gegensatz zu den Grundgegebenheiten menschlichen Lebens zwischen Geburt und Tod. Wir sollten demokratisch korrekt und menschenfreundlich die Völker schleunigst wieder an die Oberfläche ihrer Staaten holen. Ausübung von Macht muss aus einer anonymen Finanzwelt wieder in lebensbejahende Verantwortung einer an Zukunft interessierten menschlichen Gemeinschaft übergehen. Wir brauchen kein globales Dorf, wir müssen die menschliche Überschaubarkeit von Dörfern zurückgewinnen.

Der eigentliche Sinn alles Lebens liegt in Bewahren und Weitergabe von Leben. Dabei ist Zusammenhalt unter den Lebenden eine entscheidende Voraussetzung. Das Recht auf Ich lebt von der Pflicht zum Wir. Jegliches Leben beruht unabänderlich auf zwei einfachen Grundgegebenheiten, Abstammung und Anpassung an die Umwelt. Alles andere unterliegt dem Wandel. Für Leben, Zusammenleben und Überleben der Menschen ergibt sich daraus der Spannungsbogen zwischen Tradition und Fortschritt, die es miteinander zu versöhnen gilt. Soll technologischer Fortschritt nicht in ausbeutender Herrschaft Weniger über die Vielen oder im Chaos enden, muss auch in einer global vernetzten Welt die Zukunft von Abstammung im Überleben der Völker als ausgleichendes Gegengewicht verankert bleiben.

 
Eine pluralistische Demokratie ist damit auf sich alleine gestellt überfordert. Sie dient Ausgleich, nicht Durchsetzung gegensätzlicher Interessen. Ihre Verfassung garantiert das Menschenrecht des Einzelnen, nicht die Daseinsberechtigung seines Volkes. Das führt in Identitäts- und Verteilungskonflikten zur Gefahr des inneren und äußeren Umsturzes. Der demokratischer Staat sollte zwar seine Staatsbürgerschaft nicht diskriminierend an Volkszugehörigkeit binden, kann aber wohl Volkszugehörigkeit in seine Staatsbürgerschaft einbinden.
 
Dies könnte erreicht werden, wenn sich die Staatsbürgerschaft seiner Bürger auf Ebene des Staates nach Staatszugehörigkeit und auf der Ebene der Völker nach Volkszugehörigkeit ausrichten würde, bei entsprechender Ausgestaltung des Wahlrechtes. In Ablösung heutiger sozialer Sicherungssysteme mögen zukünftige Fürsorgesysteme beispielsweise an Volkszugehörigkeit gebunden sein, während Wehrpflicht an Staatszugehörigkeit gebunden sein könnte.

Die Unterteilung der Staatsbürgerschaft nach Volkszugehörigkeit erleichtert als wesentlicher Vorteil den Übergang vom Nationalstaat zu einem Staatenbund von Völkern, der sich in Ablösung bisheriger Blockbildungen nahtlos in die bestehende weltpolitische Landschaft einbinden ließe. Zunächst regional und später global ergibt er sich durch freiwilligen Beitritt von Nationalstaaten. Für die Europäische Union wäre der Schritt im Rahmen einer europäischen Verfassung oder bei deren Scheitern in einer Kern - Union denkbar.

Durch Anerkennung der jeweiligen Volkszugehörigkeit entschärfen sich die Interessen- und Identitätskonflikte zwischen Einwanderern und Einheimischen innerhalb des Staatenbundes, die in den bisherigen Nationalstaaten zu revolutionärem Umsturz führen können. Durch spätere Harmonisierung der an Volkszugehörigkeit gebundenen staatlichen Abgaben und Leistungen könnten sie innerhalb des Staatenbundes ganz überwunden werden.

Die Interessen des Einzelnen als Individuum, Volksangehöriger und Bundesbürger bis hin zum Endzustand eines Weltbürgertums unterschiedlicher Volksangehöriger lassen sich in einer freiheitlich demokratischer Rechtsordnung des Staatenbundes und seiner Mitglieder gewährleisten.

Die Interessen der jeweiligen Völker hingegen können weltweit in Zentralräten der Völker verfolgt werden. Nach jüdischem Vorbild würden sie mit Empfehlungen an die Politik des jeweiligen Gastlandes im Rahmen geltender Gesetze Einfluß nehmen können.

 
EIN EUROPA DER VÖLKER IN EINER WELT VON FREIEN VÖLKERN

Dr. Hans G. Proffen

 
 
ZURÜCK ZUM ANFANG